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Häusliches Arbeitszimmer
Aktuelle Rechtsprechung zum Abzugshöchstbetrag

 

Sowohl die Finanzverwaltung als auch der BFH haben bislang die Auffassung vertreten, dass der Höchstbetrag von 1.250 Euro objektbezogen auszulegen sei. Nutzen mehrere Steuerpflichtige dasselbe Arbeitszimmer, gewährten die Finanzbehörden bisher jedem Steuerpflichtigen nur einen Teil des Höchstbetrages. So auch im Fall eines Lehrerehepaares, das ein häusliches Arbeitszimmer gemeinsam nutzte. Das Finanzamt ließ den Werbungskostenabzug bei beiden Ehegatten nur in Höhe von jeweils 625 Euro zu. Dagegen klagte das Ehepaar. Der BFH bestätigte mit einem Urteil aus Dezember 2016 dessen Auffassung und entschied, dass der Abzugshöchstbetrag personenbezogen anzuwenden ist. Jeder Nutzende, dem kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kann damit seine Aufwendungen für das Arbeitszimmer bis maximal 1.250 Euro als Werbungskosten geltend machen.

Die Personenbezogenheit des Höchstbetrages hat auch zur Folge, dass ein Steuerpflichtiger diesen Betrag nur einmal in Anspruch nehmen kann, selbst wenn er mehrere Arbeitszimmer in verschiedenen Haushalten nutzt. Dies entschied der BFH in einem weiteren Urteil aus Mai 2017. Im Urteilsfall unterhielt der Kläger zwei circa 400 km entfernt gelegene Wohnsitze. In jeder Wohnung befand sich ein häusliches Arbeitszimmer. In der Gewinnermittlung berücksichtigte der Kläger die für beide Arbeitszimmer entstandenen Aufwendungen in Höhe von circa 2.600 Euro. Das Finanzamt kürzte den Betriebsausgabenabzug jedoch auf den Maximalbetrag von 1.250 Euro.

In einem dritten Streitfall nutzte der Kläger ein Arbeitszimmer in seiner Wohnung je zur Hälfte für seine selbständige Tätigkeit sowie für seine nicht selbstständige Tätigkeit. Für die nichtselbständige Tätigkeit stand dem Kläger ein Arbeitsplatz im Betrieb des Arbeitgebers zur Verfügung. Daher waren die Aufwendungen für das Arbeitszimmer ausschließlich im Rahmen der Gewinnermittlung für die selbständige Tätigkeit abziehbar. Das Finanzgericht vertrat die Auffassung, dass der Abzugshöchstbetrag hälftig aufzuteilen sei und ließ lediglich einen Kostenabzug von 625 Euro zu. Zu Unrecht, wie der BFH mit Urteil aus April 2017 feststellte. Bei Nutzung des Arbeitszimmers für mehrere Einkunftsarten sind zwar die Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer entsprechend der tatsächlichen Nutzungsanteile aufzuteilen und den verschiedenen Einkunftsarten zuzuordnen. Eine Vervielfältigung oder eine Aufteilung des Höchstbetrages in Teilhöchstbeträge für die verschiedenen Einkunftsarten ist hingegen nicht vorzunehmen.

 

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